Frauen, die sich öffentlich äußern, sind überdurchschnittlich häufig von digitaler Gewalt betroffen. Hassrede, Bedrohungen und sexualisierte Angriffe gehören für Journalistinnen, Politikerinnen oder Aktivistinnen zum Alltag. Besonders betroffen sind zudem Frauen mit Migrationsgeschichte, Schwarze Frauen, queere und trans* Personen sowie Frauen mit Behinderungen. Digitale Gewalt dient dabei einem klaren Zweck: Sie soll einschüchtern, zum Schweigen bringen und gesellschaftliche Teilhabe verhindern.
Dabei bleibt digitale Gewalt nicht folgenlos. Viele Betroffene ziehen sich aus öffentlichen Debatten zurück oder verzichten ganz auf digitale Präsenz. Das schwächt nicht nur individuelle Stimmen, sondern auch den demokratischen Diskurs insgesamt. In manchen Fällen gehen digitale Drohungen in reale Gewalt über oder bereiten diese vor.
Gleichzeitig sind digitale Räume für feministische Bewegungen unverzichtbar geworden. Kampagnen wie #MeToo haben sexualisierte Gewalt sichtbar gemacht und gesellschaftliche Debatten angestoßen, die lange tabuisiert waren. Doch mit wachsender Sichtbarkeit wächst auch der antifeministische Gegenwind. Rechte und antifeministische Akteure nutzen digitale Plattformen gezielt, um Desinformation zu verbreiten und feministische Positionen zu diskreditieren.
Hinzu kommt: Digitale Technologien sind nicht neutral. Algorithmen und automatisierte Systeme spiegeln gesellschaftliche Machtverhältnisse wider und können Diskriminierung verstärken, wenn sie nicht bewusst reguliert und überprüft werden. Wer digitale Räume gestalten will, muss daher soziale Gerechtigkeit mitdenken.
SoVD-Kommentar: Soziale Rechte gelten auch digital. Digitale Gewalt ist Teil geschlechtsspezifischer Gewalt und muss als solche anerkannt werden. Wer Frauen aus digitalen Räumen verdrängt, schränkt demokratische Teilhabe ein. Besonders Frauen in prekären Lebenslagen sind auf digitale Zugänge angewiesen, etwa für Beratung, Information oder Behördenkontakte. Schutz und Teilhabe im digitalen Raum sind daher auch Fragen sozialer Gerechtigkeit.
