Die Menschen brauchen gute und sichere Beschäftigungsperspektiven und ein bezahlbares Zuhause. Deshalb ist es Zeit, die Vergabe- und Tariftreuegesetze zu verbessern, eine Bildungswende in den Schulen einzuleiten und die wirksame Begrenzung der
Mietpreisexplosionen in Ballungszentren endlich umzusetzen. In Brandenburg ist sogar fast jede zweite Person von sozialen Abstiegssorgen betroffen. Wir müssen auch in Regionen investieren, in denen sich die Menschen zunehmend abgehängt fühlen.
Armin Dötsch, Sprecher des Landesvorstandes SoVD Berlin-Brandenburg: “Soziale Abstiegssorgen sind nicht nur finanzieller Natur, sondern auch durch Einsamkeit und unzureichende medizinische Versorgung geprägt. Diese Themen gehören ganz oben auf der politischen Agenda. Die soziale Sicherheit und den Zusammenhalt in Berlin und Brandenburg können wir stärken. Die
Sorgen der Menschen müssen jetzt in gute Maßnahmen statt in Verzweiflung fließen. Denn Angst ist kein guter Ratgeber. Das gilt vor allem in Zeiten, in denen die Demokratie unter Druck steht.”
Große Sorgen bei Frauen, Familien und jungen Menschen
So äußern Frauen deutlich häufiger große Sorgen als Männer. Noch immer leisten Frauen erheblich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer, das verstärkt die Lohnlücke und treibt Frauen in finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut. Es ist höchste Zeit, dass Politik und Gesellschaft Verantwortung übernehmen und auch Care-Arbeit als das anerkennen, was sie ist: systemrelevant.
Obwohl die Zukunft Deutschlands vom Nachwuchs abhängt, bleibt es eine traurige Wahrheit, das jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen ist. Nur eine gebündelte Förderung kann aus SoVD-Sicht Armut von Kindern und Jugendlichen bekämpfen und Chancengleichheit fördern.
Rund die Hälfte der jungen Menschen, also 16- bis 39-Jährigen gibt an, große Sorgen vor einem sozialen Abstieg zu haben, während es bei den über 65-Jährigen nur knapp 29 Prozent sind. Jeder weiß, dass nur gute Bildung sozialen Aufstieg ermöglicht, daher darf Bildungsgerechtigkeit kein Lippenbekenntnis bleiben. Denn wie in kaum einem anderen Land Europas ist der Bildungserfolg so stark vom sozialen Status abhängig, wie in Deutschland.
Auch Arbeiter*innen sind pessimistisch
Besonders hoch ist die Sorge bei Arbeiterinnen und Arbeitern. Die Politik muss darauf mit konkreten Maßnahmen reagieren. Weil sich Arbeit auch lohnen muss, gehören dazu ein angemessener Mindestlohn, eine armutsfeste Rente am Ende eines Erwerbslebens und Rahmenbedingungen, die alle lange gesund arbeiten lassen
Große regionale Unterschiede immer noch erkennbar
Die Umfrageergebnisse zeigen auch teils deutliche regionale Unterschiede. Die Ungleichheit in Ost und West hat sich über die Jahre verfestigt, das befeuert zudem das Gefühl der Ungerechtigkeit. Auch nach über 35 Jahren deutscher Einheit gibt es deutliche Unterschiede. Die Politik muss endlich für gleichwertige Lebensverhältnisse sorgen, dies ist nicht umsonst als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Denn nur in einer Gesellschaft, die gleich und gerecht ist, ist auch der Zusammenhalt stark. Und das macht resilient sowohl gegen Krisen als auch gegen populistische Menschenfänger.
