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SoVD-Apell zum 1. Mai: Gute Arbeit, gerechte Löhne, sichere Zukunft

Aktuelles

Liebe SoVD-Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde,

der 1. Mai ist kein Tag des bloßen Innehaltens. Er ist ein Tag des Aufbruchs, ein Tag der Forderung und ein Tag der Solidarität. Wenn wir an diesem Tag auf die Straßen gehen oder in unseren Gemeinden zusammenkommen, dann tun wir das nicht aus nostalgischer Tradition. Wir tun es, weil die Frage, was Arbeit wert ist, die Schicksalsfrage unserer Gesellschaft bleibt.

Hier möchten wir über eine einfache, aber fundamentale Gleichung sprechen, die in den politischen Debatten der letzten Jahre oft hinter komplizierten Statistiken versteckt wurde. Diese Gleichung lautet: Faire Löhne heute sind die einzige Garantie für ein würdevolles Leben im Alter und die einzige wirksame Bremse für explodierende Sozialausgaben.

Wenn ein Mensch Vollzeit arbeitet und am Ende des Monats dennoch jeden Cent zweimal umdrehen muss, dann ist das nicht nur ein individuelles Problem. Es ist ein Systemfehler. Wer arbeitet, muss davon leben können, und zwar gut. „Fordernd“ sagen wir deshalb: Schluss mit der Akzeptanz von Niedriglohnsektoren, die Menschen in die Abhängigkeit treiben! Wer heute zu wenig verdient, wird im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. 

Wir führen oft Debatten über das Rentenniveau und das Renteneintrittsalter. Doch die ehrlichste Rentenpolitik findet am Verhandlungstisch der Tarifparteien statt. Ein fairer Lohn ist die beste Altersvorsorge. Wenn wir zulassen, dass Löhne gedrückt werden, unterschreiben wir heute bereits den Bescheid für die Altersarmut von morgen.

Es ist eine Frage der Generationengerechtigkeit. Wir können nicht von der Jugend erwarten, ein System zu tragen, wenn wir gleichzeitig zulassen, dass die Erwerbsbiografien der heute Arbeitenden durch zu niedrige Einkommen entwertet werden. Ein würdevoller Ruhestand ist kein Privileg, sondern der verdiente Lohn für ein Leben voller Einsatz. Diesen Anspruch müssen wir mit Nachdruck verteidigen.

Daher unser Appell zum 1. Mai: Lassen Sie uns diesen Tag der Arbeit nutzen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ein Kapitel, in dem wir Arbeit nicht nur als Kostenfaktor begreifen, sondern als das Fundament unseres Zusammenhalts. An die Arbeitgeber*innen appellieren wir: Sehen Sie faire Löhne als Investition in die Stabilität unseres Marktes und in die Loyalität Ihrer Fachkräfte. An die Politik appellieren wir: Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die gute Arbeit belohnen und Ausbeutung verhindern. An uns alle: Seien wir solidarisch! Fordern wir gemeinsam ein System ein, in dem sich Leistung lohnt, und zwar für alle. 

Wenn wir heute für faire Löhne kämpfen, dann tun wir das für die Rentner*innen von morgen, für die Steuerzahler*innen von heute und für den sozialen Zusammenhalt von uns allen.
 

Eure Sabine Schwarz, Joachim Melchert und Armin Dötsch