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Berlin bekommt zwei neue Frauenhäuser

Aktuelles

Berlin schafft neue Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder, zwei neue Frauenhäuser entstehen.

In diesem Sommer sollen nach Angaben des Senats zu den aktuell neun Frauenhäusern noch ein zehntes und ein elftes eröffnen.

Dadurch wird es insgesamt 27 zusätzliche Familienplätze mit 70 Betten für Frauen und ihre Kinder geben - um sie vor Gewalt zu schützen.

Bildnachweis: "lavnatalia-women-7808776_1920.

Insgesamt verfügt Berlin mit den beiden neuen Frauenhäusern und 154 Familienplätzen in Zufluchtswohnungen dann über Platz für 430 Familien, das sind 945 Betten für Frauen und Kinder. Seit 2020 verdoppelte sich damit die Zahl der Familienplätze in den Frauenhäusern. Die Adressen dieser Häuser werden nicht genannt, um die Sicherheit der Frauen nicht zu gefährden und gewalttätige Männer fernzuhalten.

Auch Beratung wird ausgebaut

Auch die fachliche Beratung für Frauen wird ausgebaut. Beim Verein TIO entsteht eine neue Fachberatungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt. Sie richtet sich insbesondere an gewaltbetroffene Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie weitere marginalisierte Gruppen. Das Besondere an der Beratung ist, dass sie mobil und vor Ort bei den Menschen stattfinden wird, vor allem in den Außenbezirken, wo es derzeit keine anderen Beratungsstellen zu dem Thema gibt.

Der Verein Wildwasser baut eine weitere Fachberatungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt auf. Damit erweitert der Verein sein bestehendes Angebot, das insbesondere Frauen, die sexualisierte Gewalt in Kindheit oder Jugend erlebt haben, mit Beratung unterstützt. Mit den neuen Angeboten stehen gewaltbetroffenen Frauen in Berlin künftig neun Fachberatungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt zur Verfügung.

Mehr als 13.000 Opfer von Gewalt in Partnerschaften

"Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen", betonte Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). Die aktuellen Zahlen zeigten, dass Schutz und Beratungen weiter ausgebaut werden müssten. "Jede Frau, die von Gewalt betroffen ist, muss schnell und verlässlich Hilfe bekommen." Bundesweite Kontakte zu Frauenhäusern finden betroffene Frauen unter [www.frauenhaus-suche.de].

Nach Angaben der Polizei und des Senats gab es 2025 mehr als 13.000 erfasste Opfer von Gewalt in Partnerschaften in Berlin. 8.652 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden erfasst und fast 1.400 Vergewaltigungen. Die Polizei geht dabei von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Frauen, die Gewalt von Ehemännern oder Partnern erleben, sich nicht melden und auf Anzeigen verzichten.

Digitale Gewalt gefährdet auch Frauenhäuser selbst

Berliner Frauenhäuser berichten seit Jahren von einem starken Anstieg digitaler Gewalt. Im Frühjahr hat Berlin die Initiative "Ein Team gegen digitale Gewalt" [ein-team.org] gestartet. Die Initiative bietet Fortbildungen für Fachkräfte, technische Fallberatung bei konkreten Verdachtsfällen und unterstützt beim Aufbau von Sicherheitskonzepten in den Frauenhäusern. Denn laut Initiative installieren Täter zum Beispiel heimlich Spionage-Apps und überwachen den Standort mit Hilfe von versteckten Bluetooth-Trackern. Das gefährde auch die Frauenhäuser selbst, deren Adressen geheim seien.

Mehr als 45 Millionen Euro gibt Berlin in diesem Jahr für Gewaltschutz und zur Unterstützung von Frauen aus. 2027 sollen es 53,5 Millionen Euro sein, 10 Millionen Euro davon kommen vom Bund. Eines der neuen Frauenhäuser mit etwa 50 Betten kostet pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro. 

Quelle: Sendung: rbb, 17.06.2026, 6:30 Uhr, Audio: radioeins vom rbb, 17.06.2026, Michael Mellinger 

Interview (04.03.2026): Mitarbeiterinnen im Frauenhaus