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Was heißt sozial, Berlin?

Aktuelles

Der SoVD-Landesverband Berlin-Brandenburg führt anlässlich der Berliner Abgeordnetenwahl 2026 Interviews mit den Spitzenkandidat*innen der Parteien.

Die Reihe startet mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Die Fragen stellt SoVD-Landesvorstandssprecher Armin Dötsch.

von links < Armin Dötsch, Vorstandssprecher, Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, Quentin Mönnich, Referent für Sozialpolitik und Sozialrecht.

Häusliche Gewalt gegen Frauen findet in Berlin täglich statt. Was wollen Sie dagegen tun?

Es ist tatsächlich so, dass wir stark steigende Zahlen haben bei häuslicher Gewalt, Femizide und sogenannte Ehrenmorde, die in dieser Stadt stattfinden. Sogenannte Ehrenmorde deswegen, weil das ja wirklich alles andere als etwas mit Ehre zu tun hat, wenn man eine Frau umbringt. Ich finde das unerträglich und ich glaube, man muss auch alles beim Namen nennen. Wir haben steigende Zahlen und ehrlicherweise sind diese steigenden Zahlen nicht die ganze Wahrheit. Denn es gibt eine hohe Dunkelziffer, wo Frauen es gar nicht zur Anzeige bringen, wo Frauen es ertragen, wo sie über Jahre schlecht behandelt, werden mit Gewalt in der Beziehung. 

Und ich glaube, dass wir deutlich mehr machen müssen, was Beratungsangebote angeht. Weil viele Frauen auch Angst haben. Angst, aus so einer Gewaltehe-Gewaltbeziehung auszubrechen. Wo sollen sie hin? Was heißt das gesellschaftlich? Und dass oftmals das Schamgefühl bei den Frauen viel zu groß ist. Ich glaube, der Scham muss die Seiten wechseln. Nicht Frauen müssen sich dafür schämen. Ganz im Gegenteil: Männer, die Frauen so was antun, die müssen sich schämen.  

Wir haben über das Sondervermögen sichergestellt, dass es ein weiteres Frauenhaus in Berlin gibt. Mir wäre lieber, wir bräuchten das nicht. Aber solange der Bedarf so hoch ist, brauchen wir es. Was wir außerdem brauchen, ist die gesellschaftliche Ächtung von Gewalt gegen Frauen. Wir haben in Berlin Fußfesseln gesetzlich geregelt. Das heißt, dass Männer, die Gewalt gegen eine Frau ausüben, eine Fußfessel bekommen und sich dieser Frau nicht mehr nähern können. In besonders harten Fällen sind das die richtigen Maßnahmen, weil wir Frauen vor Gewalt schützen müssen. Und noch mal: Die Scham darf nicht auf der Seite der Frau liegen, sondern ganz im Gegenteil.

Was ist mit den Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf? Wollen sie eine inklusive Beschulung oder wollen sie wieder verstärkt auf Förderschulen setzen?”

Ich glaube, wir müssen genau darauf achten, was geht und auch, was für die Kinder gut ist. Aber es geht auch darum, was sich die Eltern wünschen. Natürlich wünsche ich mir Inklusion, so gut es geht und so viel es geht. Und da schaffen wir ja auch vieles an unseren staatlichen Schulen.  

Aber ich habe ganz oft mit Eltern gesprochen, die in Regelschulen gedrängt werden. Sie sagten mir: “Herr Wegner, mein Kind war eigentlich besser aufgehoben in einer Förderschule. Weil sie für die Entwicklung des Kindes besser war. Das habe ich beim Kind gespürt.”
Wir müssen beides anbieten. Das heißt Inklusion, wo immer es möglich ist. Das ist wichtig und es ist mir persönlich wichtig. Aber da, wo wir ganz besondere Förderbedarfe haben, wo Eltern sagen, das ist für die Entwicklung meines Kindes vielleicht erst mal besser, noch in einer Förderschule zu sein, da sollte dieses Angebot da sein. Aber Inklusion, da wo möglich, auf jeden Fall.

Der SoVD-Landesverband Berlin-Brandenburg spricht mit den Politikern, die Berlin regieren oder nach der Wahl regieren wollen, über aktuelle sozialpolitische Themen. Als Auftakt stellt sich der amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner den Fragen von Armin Dötsch. 

Hier geht es zum Video: 

https://www.youtube.com/watch?v=9x7J98Uk0o4