Mehr als 28 Jahre trennte der graue Beton unser Land und unsere Hauptstadt –und doch ist die Zeit der Freiheit und des Zusammenwachsens längst prägender für die Menschen geworden.
Dieses große historische Vermächtnis sollte uns zur Besonnenheit mahnen. Dennoch erleben wir in gesellschaftlichen und politischen Debatten immer wieder Versuche, alte Klischees aufzuwärmen und neue, künstliche Grenzen in den Köpfen der Menschen zu ziehen. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen, sondern gemeinsam an einem weltoffenen Staat in einem gemeinsamen Europa arbeiten.
Wer unvoreingenommen und mit offenem Blick durch unser Land geht, erkennt rasch: Die Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West, zwischen den Generationen und Regionen, sind weitaus größer als die verbliebenen Differenzen. Uns verbinden dieselben Grundwerte, die Sorgen um die Zukunft unserer Kinder, der Wunsch nach sozialer Sicherheit und das Streben nach einer gerechten Gesellschaft.
Zur Ehrlichkeit gehört auch eine klare Haltung: Niemand hat das Recht, von anderen Dankbarkeit einzufordern. Die Deutsche Einheit war kein Geschenk und kein Almosen. Sie ist eine gemeinsame historische Leistung – erkämpft durch den bewundernswerten Mut der friedlichen Revolutionär*innen und gestaltet durch die tägliche Tatkraft von Millionen Menschen in ganz Deutschland.
Gegenseitige Belehrungen und Überheblichkeit führen in die Irre und verfehlen das Wesentliche. Eine reife Demokratie braucht de respektvollen Dialog auf Augenhöhe, der unterschiedliche Lebensleistungen anerkennt und drängende Herausforderungen gemeinsam anpackt.
Lassen wir uns keine künstliche Spaltung einreden. Unsere jüngere Geschichte zeigt eindrucksvoll, wozu wir fähig sind, wenn wir zusammenstehen. Bauen wir nicht an alten Gräben, sondern an den Brücken. Dazu müssen wir sachlich im Urteil, menschlich im Miteinander und voller Zuversicht für unsere gemeinsame Zukunft sein.
Eure Sabine Schwarz, Joachim Melchert und Armin Dötsch
