Während Jens Braunseis, unterstützt durch Ehrenamtskoordinatorin Heike Roß-Ritterbusch, die schönsten Dokumente und Blitzlichter aus einem Schreibaufruf des TEA „Warum schreibe ich Tagebuch?“ aus dem Jahr 2021 und Auszüge aus besonderen alten Tagebüchern vorlas, konnten die Teilnehmenden gemütlich bei Kaffee und Kuchen den Geschichten lauschen.
Der Schreibaufruf fand eine große Resonanz und die “Schreibenden” teilten in ihren Antworten sehr persönliche Gedanken mit bezüglich ihrer Motivation, Tagebuch zu schreiben. Vom Tagebuch „als geduldigem Freund“, über Schreiben als Psychohygiene und Notfallprogramm bis hin zur philosophisch anmutenden Idee: „Das Schreiben ist für mich die einzige Möglichkeit zur konstruktiven Aneignung der Wirklichkeit. Ich schreibe, also BIN ICH“ – war alles dabei.
Ebenso faszinierend war es, aus den ganz alten Tagebüchern zu hören und einzutauchen, wie die sehr unterschiedlichen darin vorgestellten Menschen die Welt in den 1920-er, in den 1940- und 1950-er Jahren oder um die Jahrhundertwende zwischen 19. Und dem 20. Jahrhundert wahrgenommen haben.
Dazu gehören das Tagebuch von Lore John, Kinderärztin 1941–1952; das Tagebuch von Josef Murch (geb. 1867), der als Maurer vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg an vielen Bauwerken Berlins beteiligt war; das Tagebuch der Lazarettschwester Barbara im 2. Weltkrieg sowie das Tagebuch der 1899 geborenen Hilde, die uns an den Straßenkämpfen in Berlin 1919 teilnehmen lässt.
All diese Eindrücke nahmen die Zuhörenden derart gefangen, dass bereits während der Lesung und besonders hinterher die eigenen Erinnerungen geteilt und besprochen wurden. Es gab viele A-Ha´s und Oh´s und „ja genau, so war das damals“ in der Runde. Die Lesung wirkte für einige der Teilnehmenden im Nachgang als Initialzündung, selbst wieder mit dem Tagebuchschreiben zu beginnen.
Das Tagebuch- und Erinnerungsarchiv Berlin e.V./TEA befindet sich im Bürgerhaus Altglienicke und ist, neben dem Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen in Süddeutschland, das einzige dieser Art in Deutschland. Seit 2012 ist das TEA als gemeinnütziger Verein organisiert und lebt vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder und von öffentlichen Zuwendungen und Spenden. Die aktuelle Vorsitzende Dr. Sabine Musial war bereits vor einiger Zeit gemeinsam mit Jens Braunseis zu einem persönlichen Austausch zu Gast in der SoVD-Landesgeschäftsstelle.
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